Bürgermeisterwahl - Nimonh Kaiser-Patthavong schart Gefolge auf dem Marktplatz um sich

Kandidatin Kaiser-Patthavong tritt auf Ketscher Marktplatz auf

Schwetzinger Zeitung 12.04.2022

Der Andrang auf dem Marktplatz war beachtlich. Zum Auftritt von Nimonh Kaiser-Patthavong, einzige Kandidatin für die Bürgermeisterwahl, versammelten sich schon anfangs an die 100 Interessierte, die der 42-jährigen für den Endspurt einigen Rückenwind bescherten. Natürlich langt solch eine Veranstaltung von knapp 100 Menschen bei einer Gesamtbevölkerung von rund 13 000 Bürgern nicht einen Moment als Stimmungsbarometer. Doch umgekehrt hat es funktioniert. Angefühlt hat sich dieser Nachmittag ziemlich sicher wie Rückenwind. „Das sind Momente, die natürlich tragen und Mut machen.“

Ein Satz, der auch für das Unterstützerteam galt. Es herrschte jedenfalls unübersehbar gute Laune an den Ständen, an denen von Frühlingsrollen, Würstchen und Kuchen ohne Ende ausgegeben wurden. „So macht Arbeiten für eine Sache, die einem wichtig ist, richtig Spaß“, so Brigitta Barth-Engelhart. Wobei sie solche Schübe für ihre Motivation kaum zu brauchen scheint. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass sie eine glühende Wahlkämpferin für Kaiser-Patthavong ist. „Ich finde das Programm gut und, noch wichtiger, sie ist ein ehrlicher Mensch, sodass ich ihr vertraue.“ Dazu sei angefügt, dass Barth-Engelhardt die Kandidatin schon seit Kindertagen kennt und sie seitdem sowohl privat als auch beruflich ziemlich eng begleitet. Angesprochen auf Charakteristika der Kandidatin betonte sie zwei Eigenschaften, die es in Barth-Engelharts Augen in der Politik sowieso dringend brauche: Zuhören und Reflexion. „Beides auch unter dem Eindruck von Kritik.“

So jemanden im Rathaus zu haben, würde auch Leokardia Rühle gut finden. Gerade weil es in ihren Augen einen Wandel brauche. Aber sie befürchtet, dass die Ketscher noch nicht so weit sind, eine Frau zu wählen. Eine Einschätzung, die Michael Malik so nicht teilt. Zwar kein Unterstützer, scheint er von Kaiser-Patthavong doch überzeugt zu sein: „Sie steht für Veränderung und Umdenken und könnte damit ein Katalysator für neue Ideen sein.“

Und neue Ideen für neue Wege in Ketsch lancieren – das brauche es. Auch Tobias S., der seinen vollen Namen nicht in der Zeitung sehen will, hofft auf ihren Veränderungsmut. Ihr Stil sei dabei schon einmal verheißungsvoll. „Zumindest gelingt es ihr, Menschen aller Generationen und unterschiedlichster Kulturen anzusprechen.“ Es fiel auf, dass sich viele hier eine andere Art Politik wünschten. Nicht wenige fühlten sich kaum bis gar nicht von der Politik angesprochen. Vielleicht ist das ein Grund, dass Kaiser-Patthavong immer wieder betonte, dass sie parteiunabhängig sei. „Das könnte weniger Parteipolitik und mehr Sachpolitik bedeuten“, so Iphigenia Adler. Vielleicht könne sie Veränderungen wirklich anstoßen.

Es war ein Wunsch, den viele hatten. Jung und Alt erschien der Handlungsdruck groß. Nicht nur wegen den galoppierenden Schulden, die vielen Bürgern Sorgen bereiteten. Ganz grundsätzlich, so hörte man, müsse es einen Wandel der politischen Kultur hin zum Bürger geben. Wie er aber genau in Szene gesetzt werden sollte, konnte über Platituden hinaus keiner sagen.

Den Gemeinderäten wirklich Bürgerferne zu unterstellen, wollte niemand. Im Detail, so Adler, werde es eben doch kompliziert. Lösungen für und mit allen höre sich gut an, sei aber mehr wünschenswert denn realistisch. Aber zumindest erschien die Hoffnung auf dieses Wünschenswerte groß genug, um Kaiser-Patthavong eine Chance zu wünschen.

Stefan Kern, Schwetzinger Zeitung